Wer bislang den Namen van Dijk gekannt hat, muss ein Kunstkenner gewesen sein. Er hat gewusst, dass Philip van Dyk ein Porträtkünstler des Barock gewesen ist, der um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert gelebt und geschaffen hat.
Der Niederländer – seinerzeit hatten die Niederländer wegen ihrer Segelkünste ja noch eine gewisse Bedeutung – der Niederländer also war gewiss kein Rubens, aber brachte es trotzgleich zu einem gewissen Ruhm. (Rubens hieß, nur für Historiker, übriges tatsächlich Rehhagel als er als Trainer, nicht als Verteidiger, in München war).
Es ist nun also theoretisch möglich, dass betuchte Investoren, die von Kunst nichts wissen müssen, auf einer Auktion für einen echten van Dijk 85 Millionen hinblättern, um ihn dann im Hinterhof zu verstecken. Solche Bekloppte gibt es bekanntlich. Egoisten, die sich die (Kunst)welt kaufen. Wobei : Es gab ja auch einen Anthony und einen Floris van Dijk (alles Google).
Jürgen Klopp ist anders. Er kauft sich auch einen van Dijk, auch einen echten, selbst für rund 85 Millionen. Der neue van Dijk kann zwar nicht malen, Aber dafür, dass der 26-Jährige 16 mal für die Niederlande – der Namen der Nation ist inzwischen Programm – gespielt hat und so zwischen 1,90 und 2,00 Meter groß sein soll, soll er ein genialer Abräumer in der Innenverteidigung sein. Sein Vorname ist nicht Philip, Anthony oder Floris, sondern Virgil. Das klingt nach Manneskraft statt nach Blume oder Clown. (Zappelphilipp, Tünn und Schäl, Blümchen).
Für den Leser : Das « von » bedeutet nicht, dass Herr van Dijk adelig ist, sondern nur, dass seine Vorfahren von einem Deich stammten oder an ihm wohnten.
Jürgen Klopp beteuert, dass er nicht auf dem Kunstmark abräumen wollte, um seinen Schatz in einem Tresor zu verstecken. Er will den Schatz den Fans von Liverpool präsentieren. Endlich ein Mäzen, der nicht egoistisch ist !
Wobei, Klopp, der bekloppte, wird dabei von einer deutschen Eiche zu einer biegsamen Birke. Hat er nicht noch vor rund einem Jahr gesagt, er wolle Fußballer formen, ausbilden, erziehen, statt den Transferirrsinn mit zu machen ? 2016 kommentierte Klopp den 105-Millionen-Transfer von Paul Pogba zu Manchester United noch so : «An dem Tag, an dem das Fußball ist, werde ich meinen Job nicht mehr machen. »
Jetzt gibt er 85 Millionen für einen Innenverteidiger aus Southhampton aus (vorher FC Groningen, Celtic Glasgow).
Also, ehrlich, Herr Klopp : Da sind mir dann 220 Millionen für Neymar schon lieber.
Beim FC Bayern sehen sie, bei allem Verständnis für Turbo-Kapitalismus und dafür, dass in England die Uhren, egal woher sie stammen, anders ticken : Was sollen die denn jetzt dem Goretzka und seinem Berater in den Rachen schmeißen, damit der « ablösefrei » von Schalke kommt ?
Aber egal, die Fans und Sky werden es schon bezahlen. Noch ist der Himmel über Bayern nach oben ja blau und offen, so lange es das Festgeldkonto gibt. Wolken gibt es keine. Irgendwann wird auch ein Bundesligist 85 Millionen für einen stabilisierenden Klopper bezahlen.
Ein letzter historischer Hinweis zum Jahresbeginn: 1976 bezahlte der 1. FC Köln für einen Spieler erstmals eine Million D-Mark (!) an Ablöse. Der belgische Stürmer (kein Innenverteidiger) Roger van Gool tat sich anfangs sehr schwer in der Domstadt. Die Fans spotteten schon, der Verein habe wohl van Gool mit einem van Gogh verwechselt. 1978 wurden der FC und der falsche Vincent dann doch noch Meister.
Viel Glück, Herr Klopp !

Rainer Kalb

Der renommierte Sportjournalist Rainer Kalb (63) ist das 62. Mitglied der Lippe-Fohlen geworden. Er wird in Zukunft für uns jeden Dienstag das aktuelle Fußball-Geschehen, auch über unsere Borussia hinaus, kommentieren.

Ein Beitrag von ihm für das Buch "Gesichter der Nachhaltigkeit".