Natürlich wird Borussia Dortmund am 26. Februar wieder « ausverkauft » melden. Natürlich werden die Fernsehkameras es aus journalistischer Pflicht nicht vermeiden können, kurz über die halbleere Südtribüne zu huschen. Natürlich werden die Deutsche Fußball Liga und ihre Medienpartner den Aufstand der Fans mit gerunzelter Stirn sehen. Aber dieser Aufstand der Stehtribüne ist nachvollziehbarer als jedes Abbrennen noch des kleinsten Böllers.
Der 26. Februar ist ein Montag. Das mit dem « ausverkauft » stimmt natürlich. Aber die Dortmunder Fanklubs haben beschlossen, ihre Fans dazu aufzurufen, für dieses Spiel gegen Augsburg ihre Dauerkarte verfallen zu lassen. Und wer die Solidarität im Ruhrpott kennt, der weiß, dass dieser Aufruf zum Boykott ernst zu nehmen ist.
Wobei die Dortmund-Fans nichts gegen die Mannschaft aus der Puppenkiste haben. Auch nichts gegen die Mannschaft aus der Stadt der Fugger. Sie haben nur etwas gegen die Fugger von heute.
Jakob Fugger der Reiche stieg um 1500 zum reichsten Mann Europas auf – dank Pfründen, Exklusivrechten und einem komplizierten Netzwerk von Handelsbeziehungen. Um sich einen sozialen Anstrich zu geben, leß Jakob der Reiche 1516 die erste Siedlung für Arme bauen, die heute noch funktioniert (Fuggerei).
Der Ausblick auf Jahrhunderte sei nicht gewagt, aber die Bundesliga-Stiftung wird gewiss noch Jahrzehnte bestehen. Warum ? Weil die DFL reich ist und deshalb aus ihrer « gesellschaftspolitischen Verantwortung », wie das so schön heißt, ein paar Brosamen verteilen kann.
Wie kann sich die DFL die Brosamen leisten ? Angeblich mussten die maximal fünf Montags-Spiele her, um die deutschen Teilnehmer an den Europa-Pokalen nach ihren beschwerlichen Reisestrapatzen zu schonen. Dumm nur, dass kein Montagsspiel notwendig war, als noch sechs Vereine in den Europapokalen vertreten waren. Jetzt wo es nur noch drei sind (davon Dortmund und Leipzig am Donnerstag ; die Bayern am Dienstag oder Mittwoch) sind BVB und RB plötzlich ruhebedürftig.
Kann es nicht eher sein, dass hier ein Vorwand gefunden wird, um dem neuen Medienpartner Eurosport Exklusiv-Quote zu verschaffen ? Weiß die DFL, welche Zumutung es für einen Augsburg-Fan ist, zwei Tage Urlaub zu nehmen, um « seine » Mannschaft in Dortmund anfeuern zu können ? (Gleiches gilt übrigens am Montag zuvor für Leipzig-Fans, die nach Frankfurt müssten).
Die Solidarität der Dortmund-Fans mit ihren Augsburger Kollegen ist einzigartig. Schon das Montagsspiel in der 2. Liga war ein Schlag ins Gesicht aller Ultras. Aber jetzt zerboxt sich die Liga selber. Wer im Ausland mit der Südtribüne aus Dortmund hausieren geht, braucht eine gefüllte. Oder er stellt Pappmachés auf und lässt den Sound aus den Lautsprechern kommen. Die Medienpartner zahlen ja genügend für den schönen Schein. Der Fan ist egal.

Rainer Kalb

Der renommierte Sportjournalist Rainer Kalb (63) ist das 62. Mitglied der Lippe-Fohlen geworden. Er wird in Zukunft für uns jeden Dienstag das aktuelle Fußball-Geschehen, auch über unsere Borussia hinaus, kommentieren.

Ein Beitrag von ihm für das Buch "Gesichter der Nachhaltigkeit".