Ein Freund von mir, verheiratet mit einer Mexikanerin, ist gerade aus einem vierwöchigen  Urlaub  aus Mexiko zurückgekehrt. Was so « Urlaub » bei Verwandtenbesuch genannt wird.
Da er beruflich auch mit Fußball zu tun hat, bedauerte er nicht nur die Waffenlieferungen des deutschen Rüstungsfabrikanten von Heckler & Koch an die Polizei und Armee des mittelamerikanischen Staates, pries nicht nur die Schönheiten und Reichtümer von Kultur und Natur, sondern lobte ausdrücklich auch die Deutsche Fußball Liga (DFL). Die Auslandsvermarktung scheint flächendeckend zu sein.
In irgendeinem der zahlreichen Sender war samstags zum Frühstück (8.30 Uhr Mexiko) ein Bundesliga-Spiel zu sehen. Keine Konferenz, aber irgendwo eines – was für meinen Fan des 1. FC Köln natürlich ein Stück Heimat war. Nur der richtige Sender musste gefunden werden.
Ähnliches gelingt der UEFA. Zur mexikanischen Mittagsessens-Zeit – 13.45 Uhr – schafft sie es, die Champions League Spiele des FC Bayern zu übertragen. So erschließt sich, weshalb die Champions League in Europa erst um 20.45 Uhr beginnt. Zu meiner Jugendzeit wurden Europapokalspiele in Deutschland noch um 19.00 Uhr angepfiffen, so dass man als Fan und möglicherweise ewiger Anhänger noch die Chance hatte, zu einer zivilen Zeit für den donnerstagtäglichen Schulbeginn nach Hause zu kommen.
Vergangen, vergessen, vorüber. Vergangen, vergessen, vorbei. Die Knete deckt alles darüber – und hat ihre Trümpfe dabei. Bis 2015 nahm die Bundesliga rund 72 Millionen Euro aus der Auslandsvermarktung ein. Derzeit hat sie sich mit 160 Millionen mehr als verdoppelt. Lässt sich noch mehr rauspressen ?
Im Westen der Welt mag das alles mit der Zeitverschiebung ja gut klappen. Im Osten hingegen, wo es in die späte Nacht oder den sehr frühen Morgen hinein geht, ist das uhrzeittechnisch gesehen eher schwierig. Da hilft auch kein Büro in Singapur richtig weiter.
Frankreich bietet für den asiatischen Markt ab 2020 Spiele am Sonntag um 13.00 Uhr (ca. 20 Uhr in Asien, je nach Zeitzone) an. Die Bundesliga experimentiert auch schon damit. Ihr sei gesagt : In der Tat. lieber ein Spiel am Sonntag Mittag als am Montag Abend. Dann holt besser die Knete im Ausland, aber nicht bei heimischen Fußball-Fans, die für Auswärtsspiele Urlaub nehmen müssen. Schöne Grüße an meinen Freund beim Mittagessen in Mexiko, montags.
Meer ist nicht immer Mehr. Genug ist auch genug.

Rainer Kalb

Der renommierte Sportjournalist Rainer Kalb (63) ist das 62. Mitglied der Lippe-Fohlen geworden. Er wird in Zukunft für uns jeden Dienstag das aktuelle Fußball-Geschehen, auch über unsere Borussia hinaus, kommentieren.

Ein Beitrag von ihm für das Buch "Gesichter der Nachhaltigkeit".