Keine Angst, es soll an dieser Stelle kein Kreuzzug à la Markus Söder ausgerufen werden. Aber es ist auch keine Gotteslästerung, wenn im Zusammenhang mit der Bundesliga hier an das von Martin Luther Anfang des 16. Jahrhunderts gedichtete Lied « Ein feste Burg ist unser Gott » erinnert wird.
Gottvertrauen ist auch nach 500 Jahren kein Fehler. Nur das mit der « festen Burg » stimmt nicht mehr so ganz. Eine wird am Samstag geschliffen. Entweder die « freie » (33 Punkte), die « Tierfestung » (30 Punkte) oder die Fischstadt « Ham » (28 Punkte). Und eine zweite dieser drei Burgen wird am Samstag arg demoliert und ramponiert werden und muss dann in die Relegation. Nur die Fuggerstadt Augsburg steht fest und unerschüttert.
Wie es dazu kommen konnte ? Vielleicht haben die Burgherren nicht genügend in ihre Söldner investiert – oder falsch. Vielleicht haben sie aber auch einem falschen Burgfrieden getraut. Die Konkurrenz ließ sie eben nicht in Frieden, weder das abgeschiedene Freiburg im tiefen Südwesten, noch die Werkself, noch den Dino.
Hamburg, Wolfsburg, Freiburg – das gibt auf der Landkarte ein sehr beschränktes ungleichschenkliges Dreieck. Da ist kein Bayern drin, kein Ruhrgebiet, kein Nieder- und kein Mittelrhein, kein neues Bundesland. Deutschland bricht die Mitte weg.
Wie hoch werden wohl die Eintrittpreise in die Burgen in der 2. Liga sein ? In die Wiener Hofburg jedenfalls lassen sie, inklusive Sisi-Ticket – so schreiben die Romy Schneider da – für 30 Euro rein. Und Salzburg stand immerhin im Halbfinale der Europa-League.
Nein, um Deutschlands Burgen ist es schlecht bestellt. In der 2. Liga haben sich die Aufsteiger Jahn Regensburg und MSV Duisburg tapfer gequält, den Durchmarsch in die Bundesliga zu schaffen. Das kann nur noch Holstein Kiel gelingen. Wenn « Störche » eine Burg überfliegen.
Es fällt einem noch FC Homburg ein, von 1986 bis 88 und 89/90 in der Bundesliga. Würzburg erinnert zwar vom Namen her an Salzburg, doch hat es da nie einen Komponisten vom Weltrang eines Herrn Mozart gegeben. Dietrich Mateschitz, der « Unterstützer » auch von RB Leipzig, verdient mit seiner Brause zwar mehr als Mozart je bekommen hat, aber ob er auch den Weltrang erlangt ?
Burghausen gehört trotz des schönen Klubnamens Wacker nicht in die Kategorie dieser Vereine ; dazu steht die Silbe von Trutz und Abwehr zu weit vorne.
Es gäbe dann noch den Hinweis auf die Kaiserburg. Die steht zwar nicht in Kitzbühel, sondern in Nürnberg. Und liegt in der Tat auf einem Hügel. Der « Club » hat mit dieser Burg eine indirekte Berechtigung, wieder im Kreis der Großen aufgenommen worden zu sein.
Ach ja : Der Nürburgring in der Eifel hat mit Fußball nichts zu tun.

Rainer Kalb

Der renommierte Sportjournalist Rainer Kalb (63) ist das 62. Mitglied der Lippe-Fohlen geworden. Er wird in Zukunft für uns jeden Dienstag das aktuelle Fußball-Geschehen, auch über unsere Borussia hinaus, kommentieren.

Ein Beitrag von ihm für das Buch "Gesichter der Nachhaltigkeit".