Der "Mehrwert" eines Hobby-Fußballers

Es stimmt ja, Europa stellt fast die Hälfte der WM-Teilnehmer, die am Donnerstag beginnt. Aber muss die europäische Fußball Union deshalb auf der Titelseite ihrer Propaganda-Postille UEFA direct titeln : « 14 gegen den Rest der Welt » ?

Dieser Tenor aus Überheblichkeit und Arroganz gegenüber anderen Verbänden setzt sich im Inneren der Hochglanzbroschüre fort. Da heißt ein sperriger Titel : « Erhöhung der Teilnehmerzahlen – der Schlüssel zum Wachstum des Fußballs ». Zur Klarstellung : Mit der Erhöhung ist nicht eine Verwässerung der Champions- oder Europa-League gemeint, sondern  es sollen mehr Menschen in die Vereine gehen und dort aktiv Fußball spielen.

Der Ansatz an sich ist ja nicht verkehrt, würde er nicht von dem verräterischen Satz begleitet : « Das Programm UEFA GROW hat sich (…) zur zentralen Plattform für Geschäftsentwicklung (…) entwickelt. »

Abgesehen davon, dass jeder Chef einem Debütanten im Journalismus die Formulierung eine Entwicklung habe sich entwickelt um die Ohren schlagen würde, bleibt zu bemerken : Das Wachstum im Fußball wird bei der UEFA mit Geschäftsentwicklung gleichgesetzt. Entsprechend sind auch die neuen Prämien, die in der Champions- und Eropa-League um 62 Prozent gesteigert werden. Geschäft eben – kein Fußball.

Was bleibt, um mehr « Geschäft » machen zu können ? Natürlich : mehr Masse. So beklagt die UEFA, dass nach einer « Erhebung » - also keine Statistik – in über 30 der 55 Mitgliedsverbände 25 Prozent der Erwachsenen Fußball spielen, aber nur drei Prozent in einem Verein registriert sind.

Na, Donnerwetter ! 22 Prozent Vaterlandsverräter, die lieber auf einer Wiese bolzen oder am Strand kicken als sich von einer Gemeinde die Öffnungszeiten einer Bezirkssportanlage vorschreiben zu lassen ! In welche Revolution soll das denn noch führen ? Die FIFA korruptionsverseucht und die UEFA im Stich gelassen, weil niemand mehr in einen Verein will ? Das muss den Kongresstourismus der Funktionäre hart treffen.

Die UEFA hat drei Antworten. Erstens : Mehr Frauen in die Vereine, um die Bedeutung der Klubs aufzublähen. Zweitens : Breitenfußball fördern – also Hobbyfußballer vom Vorteil einer Vereinsmitgliedschaft überzeugen. Drittens : Politische Propaganda betreiben.

Hierzu heißt es in dem Beitrag (Seite 24/25) : « So hat jeder registrierte Spieler (Vereinsmitglied, der Verf.) in Rumänien einen gesellschaftlichen Mehrwert von 1650 Euro. Dies lässt sich anhand der Geldsumme erklären, die der Staat für jede Person, die Fußball spielt, spart, und zwar vor dem Hintergrund, dass Gesundheit und Bildung verbessert, die Kriminalitätsrate reduziert (…) werden. »

Entsprechende « Mehrwertzahlen » aus Deutschland sind nicht bekannt. Der Deutsche Fußball-Bund propagiert ja immer das Ehrenamt. Die Deutsche Fußball Liga veröffentlicht jährlich Zahlen, wie viel Mehrwert- und Einkommenssteuer sowie Arbeitsplätze durch den Profifußball geschaffen werden. Aber den gesellschaftlichen Mehrwert eines Amateurfußballers mit verminderter Kriminalitätsrate zu begründen – darauf kann nur die UEFA kommen.

 

Rainer Kalb

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