Matthäus - der deutsche Özil

Die FIFA, also die Weltorganisation des Fußball, hat in ihrer unendlichen Einfalt oder durchtriebenen Kommerzialisierung einen exklusiven Klub geschaffen, der sich « Legenden des Fußballs » nennt.

Das hat der Deutsche Fußballbund ja bereits vorgemacht, indem er mit dem Partner eines schwarzen Brausegetränkherstellers den kostenpflichtigen « Fan-Club Nationalmannschaft » einrichtete. Wer dort kein zahlendes Mitglied ist, hat über den DFB nicht einmal ein WM-Ticket erhalten, was im Nachhinein gesehen auch kein Verlust war. Die WM-Eintrittskarten sind übrigens im Vergleich zu Brasilien sowieso im Schnitt um 11 Prozent teurer geworden. Ein Endspiel-Ticket der besten Klasse hat 1000 Dollar übersprungen. 

Jetzt kommen also die « Legenden des Fußballs » daher. Sie reisen gratis, wohnen gratis, speisen gratis und auch ihr Stadionbesuch ist gratis. Es gibt leider auch ein paar Verpflichtungen. Eine war das Treffen mit dem neuen Zaren Wladimir Putin. 

Der ewige Dampfplauderer Lothar Matthäus, regionaler Landsmann vom politischen Scharfmacher Markus Söldner oder so sowie andere trafen sich mit Putin und dem FIFA-Präsidenten Infantino. Das Wortspiel mit infantil verbietet sich für einen Journalisten, der noch Selbstachtung hat. Es wäre zu simpel.

Dass Matthäus den Özil gibt kann nur insofern überraschen, als ein Franke normalerweise keinen Türken imitiert. Was aber international viel mehr Aufmerksamkeit erregt, ist die Empörung in unserem Nachbarland, den Niederlanden. (Für die bayerischen TZ-Leser : Ja, auch Holland hat oben im Westen eine gemeinsame Grenze mit Deutschland ; es gibt nicht nur Österrreich).

Da gibt es einen Marco van Basten, der dereinst auch ein weltberühmter Fußballer war. Der deshalb auch zu den « Legenden » der FIFA gehört. Der deshalb auch bei Putin war.

Leider hat Putins Russland offensichtlich vor vier Jahren die Passagiermaschine MH17 der Malaysia Airlines abgeschossen, bei deren « Treffer » 298 Menschen – vor allem Niederländer – getötet wurden. Und dann gesellt sich van Basten zu Putin.

Ex-Fußballer haben ja immer noch blindes Vertrauen in ihre Ex-Trainer, Ex-Präsidenten, Ex-Schiedsrichter in ihrem Schädel. Kritik, Selbstkritik gar, kennen sie allenfalls aus dem Fremdwörterbuch. 

Wo liegt denn der Unterschied zwischen Erdogan und Putin in Bezug auf Menschenrechte und freie Meinungsäußerung ? Wie viele Menschen sind ohne Prozess im Knast ? Wer Özil zu Recht an den Pranger stellt, dürfte auch Matthäus nicht mehr durch die Talkshows tingeln lassen. Van Basten ist in Holland unten durch. Nur wir ach so toleranten Deutschen nehmen alle solche Vorfälle mit einem Achselzucken. Und dann wird alles wieder gut.

 

Rainer Kalb

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