Rennpferde statt Fohlenelf

Die Fohlenelf ist wieder da. Naja, zumindest, was den Tabellenplatz betrifft. Bei einem Durchschnittsalter von 26,5 Jahren muss ja eher von Rennpferden gesprochen werden, aber immerhin nicht mehr von Trabern oder Ackergäulen, wie das noch 06/07 war, als der Verein für ein Jahr in die 2. Liga abstieg – aber dann glorreich aus den Ruinen wieder auferstand.

Dieses Schicksal ist dem FC Bayern erspart geblieben. Dennoch darf an eine Parallele erinnert werden. Beide Vereine wurden vom DFB als nicht bundesligawürdig erachtet, als diese 1963 gegründet wurde. Die Bayern standen im Schatten des TSV 1860 München, und den Borussen nutzte auch der 3:2-Pokalsieg 1960 gegen den Karlsruher SC nichts, um sich bei den Funktionären des DFB Renommé zu erwerben. Beide Vereine stiegen dann erst 1965 auf sportlichem Weg gemeinsam in die Bundesliga auf – und mischten sie dann über ein Jahrzehnt lang auf.

Die Bayern wurden 1969 Meister ; die Borussia 1970 und 1971. Die historische Tatsache, dass die Borussia die erste Mannschaft der Bundesliga-Geschichte war, die ihren Titel verteidigte, ist demnach der Elf vom Niederrhein nicht mehr zu nehmen.

Und noch in einem weiteren Punkt haben die Bayern einen Nachteil : Seit 2004 erlaubt die Deutsche Fußball Liga Sterne auf dem Trikot für den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Anders als bei nur alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften wird die Deutsche Meisterschaft aber bekanntlich jedes Jahr ausgespielt. Da würden 29 Sterne auf dem Bayern-Trikot die Sponsor-Werbung überstrahlen. Deshalb hat die DFL die Sterne ab 20 Titeln bei vier eingefroren. Gladbach aber darf für fünf Meisterschaften zwei Sterne tragen. Die fallen mehr auf als die Bayern-Masse. Masse beweist zwar auch Klasse, aber auffälliger sind zwei sichtbar getragene statt vier versteckte.

Schon Anfang der 70er Jahre war klar, dass der FC Bayern die Konkurrenz auf lange Sicht und Zeit dominieren würden. Während der auf Augenhöhe spielende sportliche Rivale auf dem nur 35.000 Zuschauer fassenden Bökelberg, der mitten in der Stadt lag und kaum über Parkplätze verfügte, anzutreten hatte, konnten die Bayern bald das Grünwalder Stadion verlassen, weil sie das Olympiastadion hingestellt bekamen.

Da lag es in der logischen Entwicklung, dass der Krösus dem armen Schlucker bald die besten Spieler wegkaufen konnte : Calle del'Haye, den man auf der Bank versauern ließ, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, und die Liste ist nicht vollständig. Gladbachs Manager wehrte sich verzweifelt, indem er andere Stars lieber nach Spanien ziehen ließ, statt die Konkurrenz zu stärken : Günter Netzer, Uli Stielike, Rainer Bonhof...

Wenn jetzt nach Jahrzehnten Borussia den FC Bayern acht Wochen lang als Tabellenführer grüßt, hat das zwei Faktoren. Zum einen haben die Gladbacher seit 2004 mit dem Borussia Park ein eigenes, also mietfreies Stadion, das über 50.000 Zuschauer fasst. Das ließ den finanziellen Spielraum nach und nach ansteigen. Dem Abzug der englischen Besatzungsmacht, die auf das Areal verzichtete, sei Dank.

Zum anderen haben die Borussen in Max Eberl einen Sportdirektor, der es nicht nur versteht, eine geniale Scouting-Abteilung aufzubauen, gute Spieler finanzierbar an den Niederrhein zu locken, sondern auch Weitblick zu haben. Löste die Trennung von Dieter Hecking zunächst Kopfschütteln aus, erweist sich Marco Rose nun als Glücksgriff mit einem goldenen Händchen. Kein Wunder, das Uli Hoeneß an seinen letzten Tagen noch Eberl an Lnd ziehen wollte.

Falls Karl-Heinz Rummenigge diese Kolumne lesen lässt – was er bekanntermaßen tut, wie die TZ und ich erfahren mussten – hier das offene Geheimnis schriftlich : Ja, ich trage die Raute im Herzen.

 

Rainer Kalb

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