Trainingslager

Das Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft stand – gelinde gesagt – unter keinem guten Stern.

Die Pinkelaffäre eines Nationalspielers, der Führerscheinentzug für den Nationaltrainer, die schweren Verletzungen von Spaziergängern auf einer angeblich abgesperrten Strecke bei einem Werbetermin: Da hatte die Propaganda-Abteilung des Deutschen Fußball-Bundes dann doch erhebliche Mühe, um all die Neuigkeiten klein oder schön zu reden.  Und die Pressemitteilung nach dem Unfall war dann doch ziemlich dürr. „Sind in Gedanken bei ihnen“ – na wunderbar. Ich bin auch täglich in Gedanken beim DFB.

Gedanken sollte sich der DFB über seine Öffentlichkeitsarbeit machen.

Einen Absperrungskordon örtlicher Polizei einen  Kilometer um das Hotel des Trainingslagers zu ziehen, das ist schon heftig. Dass der Bundestrainer den Journalisten seltener erscheint als Jesus seinen Jüngern, das ist seine Entscheidung.  Das dann immer mehr Medien sich das Geld sparen, die Nationalmannschaft noch zu begleiten, ist dann allerdings auch kein Wunder mehr.

Es macht sich rund um die Nationalmannschaft immer mehr eine Wagenburgmentalität breit. Und wenn sich dann Trainingseinheiten nicht mehr beobachten lassen, in denen eben durch diese teilnehmende Beobachtung gewisse Dinge verstanden und den Lesern erklärt werden können, dann braucht sich Löw nicht zu wundern, wenn seinem angeschlagenen Team nach einem 2:2 gegen Kamerun Skepsis entgegen schwappt.

Natürlich, Geheimtraining hat es schon 1974 und 1994 gegeben. Aber da konnten die Handvoll Journalisten  in Malente noch zur Familie Zaun gehen – die hieß wirklich so – um über deren Gartenzaun hinweg das Geheimtraining zu verfolgen und zu sehen, wie Assistenztrainer Rainer Bonhof verzweifelt bemüht war, Christian Wörns Flanken von rechts beizubringen. Das Fotoalbum der Familie Zaun ist unersetzlich. 1974 der Vater Bockelkamp für die Bild, 1994 der Sohn Makus für den Kölner Express. Und der Kuchen zum Training war exzellent. Oder dieses „Geheimtraining“ unter Franz Beckenbauer, als der damalige Pressechef Rainer Holzschuh 1986 in Mexiko verzweifelt bemüht war, die Journalisten von einem höher gelegenen Feldweg zu vertreiben. Vorbei, vorbei...

Wenn Sepp Maier erzählt, wie sie in Malente vor dem Münztelefon Schlange gestanden sind , was glaubt er denn, wie die Journalisten Cafés, Kneipen und sogar Privatleute  belagert haben, um in Zeiten ohne Handy zeitnah ihre Texte den Stenotypistinnen diktieren zu können.

Immerhin durften die Spieler noch über Zäune klettern! Heute pinkeln sie an Hotel-Säulen. So ändern sich die Zeiten.

Es ist ja auch das erste Mal, das sich eine deutsche Nationalmannschaft auf einer Insel einschließt. Da helfen ja die schönsten Sympathieanzeigen in brasilianischen Zeitungen nichts. Wenn angeblich nur alle 30 Minuten eine Fähre mit 50 Plätzen geht, ist das Presse-Verhinderungsarbeit. Aber der DFB wird schon Schnellboote und andere Rhythmen finden – zumindest für seine Funktionäre und Spieler.

 

Rainer Kalb

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