Bis dass der Tod Euch scheidet

Bis dass der Tod Euch scheidet – das ist schon bei der Eheschließung ein gewagtes Versprechen. Im Profifußball ist es inzwischen meist schon bei der sowieso zeitlich begrenzten Vertragsunterzeichnung eine Lüge.

Verein, Spieler und vor allem Vermittler wissen, dass das Shriftstück die Tinte nicht wert ist, mit der es unterschrieben wird. Weshalb Spieler meist einen Kugelschreiber bevorzugen, weil sie zwar einen Ball am Fuß und in der Luft aber keinen Füllfederhalter mehr in der Hand halten können.

Deshalb ist es an der Zeit, in der Zeit der Legionäre, Wandervögel, Söldner und (Spielervermittler!) Profiteure an die wahren Profis und treuen Recken zu erinnern.

Der Anlass ist Steven Gerrard. Ein Saisonende ist immer der „Anlass“ eines Innehaltens. Er war immer ein „Treuer“. Es waren über 700 Spiele, nur für die „Reds“, nie für einen anderen Verein. Die genaue Statistik kriege ich nicht zusammen, dazu fehlt mir die Sammler-Wut. Aber ich habe sein Spiel in Dortmund im Mai 2001 gesehen, beim 5:4i.V. (Golden Goal) des FC Liverpool gegen CD Alaves, das UEFA-Cup Finale. Er schoss das 2:0, und es war eines der schönsten Fußballspiele unter den Hunderten, die ich live erlebt habe.

2005 gewann Gerrard noch die Champions League, aber Meister wurde er nie. Da geht es ihm wie dem „treuen Charly“ Karl-Heinz Körbel, der auch über 700 Pflichtspiele nur für Eintracht Frankfurt bestritt (602 in der Bundesliga zwischen 1972 und 1991), der auch UEFA-Pokalsieger wurde (1980), vier Mal den DFB-Pokal in die Höhe recken durfte, aber nie die Meisterschale.

Es gab sie ja auch in Deutschland, die „treuen Recken“: Fritz Walter, Uwe Seeler, Berti Vogts, Wolfgang Overath, Hans Georg „Katsche“ Schwarzenbeck, Sepp Maier. Es gibt sie auch heute noch, die Basti Schweinsteigers und Philipp Lahms. Aber dennoch ist der Trend zum Söldner- und Legionärstum immer stärker geworden.

Wer sich jahrzehntelang mit dem Profifußball beschäftigt hat, kann über die Floskel von der neuen „sportlichen und menschlichen Herausforderung“ nicht einmal mehr lachen. Man schämt sich ja fast, das drucken zu lassen. Glaubt denn wirklichnoch ein Fan, ein „Prinz“ Boateng oder eventuell ein Khedira würden wegen der „sportlichen Herausforderung“ nach Schalke gehen? Oder um eine neue Kultur kennen zu lernen? Die haben doch keine Luft mehr zum Lachen, so sehr ersticken sie unter den Geldbergen, mit denen sie – pardon – zugeschissen werden.

Es mag ja noch eine Strategie gewesen sein, wenn die Bayern Calle del’Haye, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Robert Lewandowski, Mario Götze und andere vom Markt gekauft haben, um die Konkurrenz zu schwächen.

Gott sei Dank haben sie – pardon Gerd Müller! – Jupp Heynckes erst als Trainer bekommen. Es mag auch eine Strategie gewesen sein, wenn Günter Netzer, Uli Stielike und andere ins Ausland verkauft wurden, um sie der Bundesliga – und damit der direkten Konkurrenz – zu entziehen.

Aber den heutigen Wanderzirkus nebst Erpressung – Geld her sofort oder ich sitze meinen Vertrag aus, gehe ablösefrei und Du mein Klub, du schaust in die Röhre – diese Erpressung hat es früher in dieser Häufung nicht gegeben.

Doch auch die Kirchen („Bis dass der Tod Euch scheidet“) werden ja leerer.

 

Rainer Kalb

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