Afrika

Abgesehen von dem krachenden Scheitern Deutschlands, vom unerwartet frühzeitigen Ausscheidens Spaniens, Portugals oder Argentiniens, gilt es vor den Viertelfinalspielen dieser Weltmeisterschaft eines festzuhalten. Alle fünf afrikanischen Teilnehmer sind in der Vorrunde gescheitert. Tunesien, Ägypten, Marokko, Senegal und Nigeria gescheitert.

Das ist niederschmetternd. Das ist ein Rückschlag. War nicht nach dem Tanz des Kameruners Roger Milla mit der Eckfahne bei der WM 1990 prophezeit worden, « in Kürze » werde Afrika mal den Weltmeister stellen ? Verlorene Träume, verirrte Experten.

Das ist das erste Mal seit 36 Jahren, dass kein afrikanisches Land in die K.o.-Runde einer Weltmeisterschaft einzieht. Und im Grunde ist die Bilanz noch dramatischer. Denn 1982 waren nur zwei afrikanische Länder zugelassen, nicht fünf. Kamerun scheiterte nach drei Unentschieden, also ohne Niederlage. Algerien flog trotz eines 2:1-Sieges über Deutschland raus, weil Deutschland und Österreich für die « Schande von Gijon » auf Kosten der Afrikaner sorgten.

Und heute ? Natürlich gibt es für jedes Scheitern individuelle Gründe. Dass der Senegal nur auf Grund der Fairplay-Wertung wegen zweier Gelber Karten zu viel rausgeflogen ist, ist ein Treppenwitz der Fußball-Geschichte.

Aber trotzdem : Es ist nicht nur Zufall, dass Afrika scheitert. Und wenn die WM 2026 auf 48 Teilnehmer aufgestockt wird und Afrika neun Startplätze statt fünf bekommt, muss niemand ein Prophet sein, um eine weitere Verwässerung der Vorrunde vorher zu sagen. Deutschland könnte sich dann ja vielleicht knapp über Wasser halten.

Es ist der Ex-Bayern-Spieler Gernot Rohr, der einst mit Karl-Heinz Rummenigge spielen durfte, der den Finger messerscharf in die Wunde legt. Rohr, der seine größten sportlichen Erfolge als Spieler mit Girondins Bordeaux erzielte und Trainer von Gabun, Burkina Faso, Niger war und jetzt Nigeria betreute , ist vielleicht der beste aktuelle Zeitzeuge. Seiner Meinung nach mangelt es an Infrastruktur und Vereinsstruktur.

Die besten Afrikaner spielen in Europa, weil sie von Akademien, die europäischen « Beratern » gehören, ausgebildet werden. Die Vereine haben nichts. Die nationalen Meisterschaften sind lächerlich. Wie viele afrikanische Spieler spielten in ihrem Heimatland ? Sie waren alle nach Europa verscherbelt worden. 

Früher hieß das « Kolonialismus », ganz früher « Sklaverei ». Gelder aus den Fördertöpfen der FIFA « versickern ». Da wird kein Platz gebaut, da wird in Ghana ein Präsident gefilmt, der sich 65.000 Dollar in bar in eine Plastiktüte steckt, da streiten in Nigeria zwei Herren seit vier Jahren vor Gericht darum, wer eigentlich Verbandspräsident ist. Man stelle sich vor : Zwanziger, Niersbach, Grindel vier Jahre als Streithansel vor Gericht ! Der deutsche Fußball würde auseinander fliegen.

Die UEFA kann dem Weltfußball nicht die europäische Werteordnung diktieren. Aber sie könnte, als einflussreichste der sechs Konföderationen,dem FIFA-Präsidenten schon mal auf die Finger schauen. Immerhin war der -unter Platini – Generalsekretär der UEFA. Und müsste die Regeln kennen. Statt sie zu beugen.

 

Rainer Kalb

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